Kölner Gesellenstücke 2015


Der Abschluss und Höhepunkt der Ausbildung zur Tischlerin/zum Tischler besteht in der Planung und dem Bau des Gesellenstücks. Die Auszubildenden stellen mit dessen Anfertigung die besonderen Fähigkeiten unter Beweis, die in der Ausbildung erworben wurden. Sie sollen dadurch zeigen, dass beispielsweise Maschinen sach- und fachgerecht eingesetzt und logisches und praktisches Denken angewendet wird. Das Gesellenstück wird innerhalb von 100 Arbeitsstunden im Ausbildungsbetrieb gefertigt und vom Prüfungsausschuss bewertet und benotet.

Die Gute Form 2015 - Preisträger


Björn Elvering
Couchtisch in Teak und Stahl

Ausbildungsbetrieb:
Kettemer Lange GmbH

Begründung der Jury:
Das ist ein Möbel. Wir sagen es nochmal: Das ist ein Möbel. Es ist in allem klar und eindeutig, Form und Funktion im Einklang und zur Deckung gebracht. Man mag es nicht nur benutzen, sondern auch anschauen, anfassen, daran riechen. Es erklärt sich von selbst, drängt sich nicht auf, und strahlt doch eine so vornehme Eleganz aus, dass man es sich in Wohnräumen aller Art vorstellen kann. Die Referenzen zum skandinavischen Design der 50er und 60er Jahre des letzten Jahrhunderts sind eindeutig, die Interpretation der von dort kommenden Formensprache souverän und gekonnt. Bis ins Detail stimmt der Umgang mit Material und Proportion. Der Schubkasten am Frontende, der fein den Stahl des Schalenbodens ein zweites Mal auftauchen lässt, ist so unauffällig integriert, dass man ihn zunächst gar nicht bemerkt. Er wäre auch gar nicht nötig. Aber so ist er grandios. Eine Verneigung vor dieser Handwerks- und Entwurfskunst.
Und ein letztes Mal: Das ist ein Möbel.

Selina Fischer
Wandkommode "Oh Tannenbaum"

Ausbildungsbetrieb:
Hans Krauß

Begründung der Jury:
Hier ist der Heimathirsch zu Hause. Witzig und präzise präsentiert das Möbel Schubkästen der anderen Art. Nicht ziehen, sondern drehen. Das Baummotiv ist nicht plakativ oder billig umgesetzt, sondern feinsinnig und hintergründig. Besonders bestechend ist auch die handwerkliche Einzelstückorientierung im Entwurf. Sowohl die Menschen, denen das Stück gehören soll, wie der Raum, den es einmal einnehmen wird, sind im Entwurf aufgenommen und berücksichtigt. So wie die eigene Geschichte. In der Funktionalität mag es Einschränkungen geben, das bei der Arbeit von Anfang bis Ende aufgewandte Herzblut ist, in einem Wort, hinreißend.

Dominik Pape
Schreibtisch

Ausbildungsbetrieb:
Stadt Köln

Begründung der Jury:
Der ist ganz schön bockig, der Tisch. Stabil und doch leicht sieht er aus in der schön ausgesuchten Esche. Vor allem die Schubkastenfronten sind sehr gut gelungen. Linie und Welle ist fein im Material und gibt einen gelungenen Kontrast zur blauen Platte. Ein Platz, der zum Arbeiten einlädt. Zum analogen Arbeiten, muss man wohl sagen, denn hier fällt der Verzicht auf Kabeldurchführungen wirklich angenehm auf und passt konsequent zum Stück. Man sollte mal wieder ein Buch in die Hand nehmen.

Jonas Scharnagel
Schrank

Ausbildungsbetrieb:
Universität zu Köln

Begründung der Jury:
Dem klassischen Kleiderschrank im Rahmenbau neues Leben einzuhauchen, ist aller Ehren wert. Hier sind es vor allem die Füllungen, die modernen Umgang mit modernem Material präsentieren. Besonders hervorzuheben ist auch die Schlüssellösung sowie die sehr gelungene Rückwand, die ein freies Aufstellen des Möbels erlaubt. Über die Farbwahl kann man sicher streiten, die handwerkliche Umsetzung ist hingegen einwandfrei.

Patrick König
Deskboard

Ausbildungsbetrieb:
mcm design

Begründung der Jury:
Das Ding will viel: Aufbewahrung, Sideboard und noch Schreibtisch. Dazu kastige Gestalt, etwas Bambus und noch eine Farbstudie von weiß nach Schwarz. Außerdem beschäftigt es sich mit der Aufteilung von Form und lotet Proportionen aus. Der Mut gehört belohnt, denn einiges davon gelingt auch wirklich gut. Ein Möbel, das den Benutzer zu Entdeckung und Eroberung einlädt. Dabei stellt man zwar fest, dass das alte Sprichwort von dem, der nichts richtig kann, weil er alles kann, durchaus stimmt, aber eben auch dieses: Versuch macht kluch. Ein Lob dafür!

Mitglieder der Jury

  • Dr. Romana Breuer (MAKK)
    Promovierte Kunsthistorikerin mit Schwerpunkt in der Kunst des 20. und 21.Jahrhunderts. Seit 2008 Mitarbeiterin im MAKK, Museum für Angewandte Kunst Köln, Museumspädagogik und Kommunikation, seit Juli 2014 als Kuratorin für Bildende Kunst und Design, Grafik und Plakat.
  • Michael Kals (MANUFACT Tischlerei GmbH)
    Tischlermeister, Gestalter im Handwerk, Obermeister der Tischler-Innung Köln, Träger des Staatspreises NRW: Manufactum.
  • Johannes Niestrath (dds, magazin für möbel und ausbau Konradin Medien GmbH)
    Tischlermeister, Redakteur bei "dds - das magazin für möbel und ausbau", Konradin Medien GmbH.
  • Wiebke Schaeffer (Atelier wiederverwandt)
    Gastsemester Freie Kunst in Bagenkop/Dänemark, Studium d. Architektur und Innenarchitektur an der Schule f. Architektur in Detmold, Dipl.Ing. Architektur, seit 2002 selbstständig mit dem Planungsbüro Lichte Art, dazu seit 2011 mit dem Atelier wiederverwandt in Köln.
  • Moritz Zielke (Atelier wiederverwandt)
    Studium Design an der KISD in Köln, Dipl. Designer, Schauspieler, seit 2011 selbstständig mit dem Atelier wiederverwandt in Köln.