Ungewohnte Wege der Kommunikation

Wohnausstellung
des Kölner Tischlerhandwerks
auf dem Rudolfplatz

Ungewohnte Wege der Kommunikation beschritten
die Tischler in Köln. Im öffentlichen Bewusstsein eher
als konservativ eingeschätzt demonstrierte die Branche
erneut Innovationsfreude.

Nachdem man im vergangenen Jahr bereits durch ein
freches neues Erscheinungsbild auffiel, legte die
Tischler-Innung nun erneut nach. Unter dem Titel
„ungewohnte dimensionen“ eröffneten die Tischler im
Januar 2004 eine Ausstellung, die sich auf sehr
ausgefallene Weise mit dem Wohnen und Einrichten
beschäftigte.

 

Die „ungewohnten dimensionen“ war keine Produkt- oder Leistungsschau des Tischlerhandwerks.
Vielmehr zeigte die Ausstellung sehr bildhaft die Auseinandersetzung der Tischler mit den Wünschen
und Bedürfnissen der Menschen und den eigenen Möglichkeiten darauf Antworten zu formulieren,
Antworten auf den Grundlagen von handwerklicher Erfahrung und technischer Kompetenz.
Die
Menschen geben sich immer weniger mit vorgegebenen Lösungen auf der Basis standardisierter
Produkte zufrieden, sondern sie suchen nach individualisierten Lösungen, die zugeschnitten sind auf
ihre persönliche Lebenssituation, und die offen sind für Veränderungen. So diente in dieser Ausstellung
die Wohnung nur als Bühne für die ungewohnte Inszenierung der Thematik.

Die vier Bereiche Bad/Wellness, Ruhen, Wohnen sowie Essen sollten dem Besucher - anknüpfend an
die eigene Wohnerfahrung - neue Ideen, Perspektiven und Dimensionen eröffnen, ohne ihn festzulegen.
Sie waren nicht dargestellt als überprüfbare Funktionsbereiche, sondern als Bilder, die mittels
markanter Zeichen das Thema über Assoziationen erschließen.

 

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Bad/Wellness

So stand im Bereich Bad/Wellness im Mittelpunkt
eine „Nasszelle“, die ihre Bezeichnung sehr wörtlich
nahm. Sie hatte die Form eines überdimensionalen
Eies, das als Zelle des Lebens für Gesundheit,
Schutz, Geborgenheit und Schönheit steht. Alles
Werte, die ganz oben angesiedelt sind auf der
Wunschliste der Menschen. Der Raum wirkte nicht
beengend, sondern umhüllend.

Das Ei, die skelettartige Hülle war aus Holz gefertigt,
barg im Inneren einen hölzernen Waschtisch. Das
ständig fließende Wasser vermittelte Frische, Reinheit
und Natur. Darüber war als „intelligenter Spiegel“ ein
Monitor angeordnet, sein „Spiegelbild“ eröffnete einen
ungewohnten Blick (von hinten) auf sich selbst.
„Eigenartig“ waren auch die Handtücher an der Wand.
Sie waren täuschend echt aus Holz geformt. So
entsprach das Bild vom Bad dem ewigen Dialog der
Menschen über Natur und Technik. Es war aber auch
der Dialog des Tischlerhandwerks über deren Träume.
Träume, die Wirklichkeit werden können.

 

 

 

 

Ruhen

Sich zurücklehnen, sich entspannen, die Eindrücke
des Tages aus Licht und Farbe, aus Formen, aus
Geräuschen, die Erlebnisse noch einmal Revue
passieren, Ruhe einkehren lassen: das war die Intention
des Bereichs Ruhen. Äußerlich hervorstechendes
Zeichen war die der Körperform nachempfundene, leicht
geschwungene Stehbank. Licht und Farbmodulationen
eines Tagesablaufs auf der gegenüber gelegenen Wand,
synchronisiert mit seinen Stimmen, Klangbildern und
Geräuschen bildeten den Rahmen.

Es sind die wiederkehrenden Sinneseindrücke, die
„Sinnbilder“, die durch ihre Vertrautheit Geborgenheit
bewirken und Ruhe einkehren lassen. Der Tischler zeigte
hier die „Unmöglichkeit“, ein stehendes Bett zu bauen,
d.h. Entspannung auf kleinstem Raum zu ermöglichen.

 

 

 

 

Wohnen

Der „Wohnbereich“ lud den Besucher für verschiedene
Aktivitäten ein: Spielen, Lesen, Ausruhen. Kreativität
und Ideenreichtum auf der Grundlage eines
konsequenten formalen Konzeptes charakterisierten
diesen Teil der Ausstellung. Auf strenger geometrischer
Basis entwickelten sich in der Fläche ornamentale,
bewegte, dynamische Formen und entstanden dem
entsprechend aus quadratischen Stelen freie, skulpturale
Figuren mit unterschiedlichen Nutzungsangeboten.

Sie stellten beispielhaft Aspekte des Wohnens dar.
Zum Platz nehmen luden zwei Sessel in streng
kubischer Form ein. Der Tischler ist hier nicht Einrichter
eines speziellen Wohnzimmers, sondern er gibt
Wohnmöglichkeiten vor, die verschieden gelöst werden
können.

 

 

 

 

Essen

Das Thema „Essen“ wurde als Ort des Dialogs und der
Kontaktaufnahme gezeigt. Mit der fortschreitenden
Technisierung der Kommunikation im Alltag nimmt
das Bedürfnis der Menschen nach Nähe, nach
direktem Austausch, nach persönlicher Kommunikation
zu. Damit gewinnt innerhalb der Wohnung der
Essplatz mit dem zentralen Tisch an Bedeutung.
Dafür stand er - mit seinen ausgeklügelten Funktionen
und ungewöhnlichen Details - auch in dieser Ausstellung.
Der Besucher erfuhr einen Tisch mit Mulden, ähnlich
von Suppenschüsseln, die aber hier nicht der Aufnahme
von Nahrungsmitteln, sondern kleinen Gegenständen
zum Spielen oder Hantieren dienten.

Am „Küchentisch“ trifft man sich mit der Familie, mit
Freunden, zum Essen, zu Gesprächen, zum Spielen.
Zu den „schon eingetroffenen Gästen“ auf einer
raumhohen Spiegelwand konnten sich die Besucher
der Ausstellung gesellen.

 

 

 

 

Bildwand

Den vier Einrichtungsbereichen gegenüber befand
sich die „Bildwand“. Sie offenbarte ihr überraschendes
Innenleben erst auf den zweiten Blick. Zunächst war
es der expressive Charakter aus asymmetrischer
Flächengliederung mit vielfältigen Farben und
Strukturen der Beschichtungsmaterialien, der den
Betrachter in seinen Bann zog. Öffnete er dann die
als Türen ausgebildeten Flächen, schaute er in kleine
Räume: Kunsträume. Sie hießen Luftraum, Klangraum,
Farbraum, Spiegelraum .... und zeigten, wie Räume
über die drei Dimensionen hinaus auch noch durch
andere Medien gestaltet, erweitert, definiert werden
können.

Menschen gestalten Räume und diese Räume
beeinflussen dann wieder die Menschen in ihren
Wahrnehmungen und Empfindungen und in ihrem
Verhalten.

 

 

 

 

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